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Sicherheitsschuhe im Betrieb: Wo Sparen beim Arbeitsschutz teuer wird

In vielen Handwerksbetrieben, Lagern und Werkstätten tauchen Sicherheitsschuhe in der Kostenplanung nur als Randposten auf. Ein paar Paar pro Jahr, irgendwo zwischen Verbrauchsmaterial und Werkzeug verbucht. Genau deshalb lohnt sich ein genauerer Blick: Wer beim Fußschutz nur auf den Stückpreis schaut, übersieht Folgekosten, rechtliche Pflichten und steuerliche Spielregeln, die am Ende mehr ausmachen als die paar Euro Unterschied im Einkauf.

Wer die Kosten trägt

Die Grundregel ist in Deutschland eindeutig. Ergibt die Gefährdungsbeurteilung, dass an einem Arbeitsplatz Fußschutz nötig ist, muss der Arbeitgeber geeignete Sicherheitsschuhe bereitstellen. Das Arbeitsschutzgesetz hält in Paragraf 3 Absatz 3 fest, dass der Arbeitgeber die Kosten für Arbeitsschutzmaßnahmen nicht den Beschäftigten auferlegen darf. Eine Eigenbeteiligung gilt nach gängiger Auffassung allenfalls dann als zulässig, wenn die Beschäftigten einen echten Zusatznutzen haben, etwa weil sie die Schuhe ausdrücklich auch privat tragen dürfen oder freiwillig ein teureres Modell wählen als vorgesehen.

Auch steuerlich sind die Regeln vergleichsweise klar. Sicherheitsschuhe zählen als Schutzkleidung zur typischen Berufskleidung. Stellt der Arbeitgeber sie unentgeltlich oder verbilligt, ist das nach Paragraf 3 Nummer 31 des Einkommensteuergesetzes steuerfrei. Kaufen Beschäftigte sie selbst, können sie die Ausgaben als Werbungskosten ansetzen, für Selbstständige sind sie Betriebsausgaben. Wie das im Einzelfall aussieht, klärt man am besten mit der Steuerberatung.

Der Kaufpreis ist nur ein Teil der Rechnung

Ein Sicherheitsschuh ist ein Verschleißteil. Die Laufsohle nutzt sich ab, das Obermaterial bekommt Risse, die Dämpfung lässt nach. Ist das Profil der Laufsohle abgelaufen, leidet die Rutschhemmung, und der Schuh gehört ausgetauscht. Beschädigte Schuhe müssen ersetzt werden, und zwar dann, wenn es nötig ist, und nicht erst zum nächsten Budgetjahr. Bewährt hat sich außerdem, jeder Person zwei Paar zur Verfügung zu stellen, damit die Schuhe zwischen den Einsätzen trocknen können. Das klingt nach doppelten Ausgaben, verlängert aber in der Praxis die Lebensdauer beider Paare.

Wirtschaftlich sinnvoller als der reine Stückpreis ist deshalb die Frage, was ein Paar pro tatsächlich getragenem Arbeitstag kostet. Ein günstiges Modell, das nach wenigen Monaten durchgelaufen ist oder so drückt, dass es im Spind bleibt, schneidet in dieser Rechnung schlechter ab als ein solides Paar, das zwei Jahre im Einsatz ist.

Die richtige Schutzklasse spart doppelt

Die richtige Schutzklasse spart doppelt

Welche Ausstattung ein Schuh braucht, ergibt sich aus der Gefährdungsbeurteilung und der Norm EN ISO 20345. Wer in einem trockenen Lager arbeitet, braucht keinen wasserabweisenden Stiefel für die Baustelle, und wer draußen im Matsch steht, kommt mit einem leichten Halbschuh ohne Wasserschutz nicht weit. Eine zu hohe Schutzklasse kostet unnötig Geld und oft auch Tragekomfort, eine zu niedrige ist ein Sicherheitsrisiko und im Ernstfall ein Haftungsthema.

Wer Sicherheitsschuhe online bestellt, sollte deshalb vorher klären, welche Schutzklasse für welche Tätigkeit vorgesehen ist, und gezielt danach auswählen. Hilfreich ist eine einfache interne Liste: Tätigkeit, nötige Schutzklasse, Schuhgröße und Weite pro Person. Das reduziert Fehlbestellungen und Rücksendungen, die bei größeren Teams schnell Zeit und Geld kosten.

Sinnvoll ist außerdem ein kleiner Vorrat in gängigen Größen. Wenn neue Kolleginnen und Kollegen anfangen oder ein Paar unerwartet kaputtgeht, steht sofort Ersatz bereit, und niemand muss tagelang in ungeeigneten Schuhen arbeiten oder improvisieren. Gerade in Betrieben mit Saisonkräften oder wechselnden Teams lohnt sich diese Vorplanung.

Passform ist ein Kostenfaktor

Der größte versteckte Kostenfaktor ist ein Schuh, der nicht getragen wird. Die PSA-Benutzungsverordnung verlangt nicht ohne Grund, dass Schutzausrüstung den ergonomischen Anforderungen und gesundheitlichen Erfordernissen der Beschäftigten entspricht und individuell passt. Drückt der Schuh, wird er ausgezogen, und das Geld für den Arbeitsschutz ist ausgegeben, ohne dass er wirkt.

Besonders oft übersehen wird das bei Frauen. In vielen Betrieben bekommen Mitarbeiterinnen schlicht ein kleines Herrenmodell, obwohl Frauenfüße häufig schmaler gebaut sind, vor allem an der Ferse. Die Folge sind Blasen, Rutschen im Schuh und auf Dauer Beschwerden. Modelle, die als Arbeitsschuhe Damen auf einem eigenen Leisten gefertigt sind, erfüllen dieselbe Norm, sitzen aber meist besser. Das verbessert die Tragebereitschaft und vermeidet Ersatzkäufe.

Fazit: Planbar statt nebenbei

Sicherheitsschuhe sind kein großer Posten, aber ein wiederkehrender. Wer Bedarf, Schutzklassen und Größen einmal sauber erfasst, Austauschintervalle realistisch einplant und auf eine gute Passform achtet, gibt am Ende oft nicht mehr aus als vorher, bekommt dafür aber Schutz, der tatsächlich getragen wird. Und das ist beim Arbeitsschutz die einzige Rechnung, die wirklich aufgeht.

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