Sie oder Du: Was ist Ihre… äh… Deine Meinung?

Vielleicht hast du bemerkt, dass ich vor Kurzem hier im Blog und in meinen E-Mails von „Sie“ auf „Du“ umgestiegen bin.

Die Frage ist, warum.

Hier möchte ich mal meine Gründe offenlegen und die Vor- und Nachteile der beiden Anredeformen für Blogs besprechen, damit du vielleicht für deinen Webauftritt eine gut durchdachte Entscheidung treffen kannst.

Das förmliche „Sie“

Gestartet hatte ich den Blog mit „Sie“.

Ich hielt das damals für besser, da es ja immerhin um einen Geschäftsaufbau hier im Blog geht. Und im Geschäftsleben wählt man eben das förmlichere „Sie“.

Die Vorteile des Siezens:

  • Nach allgemeiner Auffassung hat jede volljährige Person das Recht mit „Sie“ angesprochen zu werden – als Zeichen des Respekts und der Achtung, aber auch der Höflichkeit halber.
  • Das „Sie“ wahrt Distanz (was manchmal – und ganz besonders im Geschäftsleben – von Vorteil sein kann).
  • Das „Sie“ erfüllt gewissermaßen die Erwartungen. Wenn ich eine Zeitschrift vom Kiosk kaufe, dann „erwarte“ ich quasi, dass ich (wenn überhaupt direkt angesprochen) gesiezt werde. Ist das nicht der Fall, kann das zumindest irritierend sein…

Die Nachteile des Siezens:

  • Durch die spürbare Distanz durch das „Sie“, ist es schwierig wirklich Vertrauen aufzubauen – etwas, das gerade im Internetbusiness und in der Infobranche sehr wichtig ist und was sich bis hin in die eigenen E-Mails fortsetzt. Das Gefühl den Schreiber nicht wirklich zu kennen bleibt immer irgendwie…
  • Diese dauerhafte Distanz zu den Lesern des eigenen Blogs und der eigenen E-Mails (und damit zu den potentiellen Kunden), könnte bei einigen (vor allem wohl der jüngeren Generation) eher hinderlich sein.
  • Durch das Siezen werden manche Texte auch schwerer zu schreiben, denn wenn man siezt sollte auch der Gesamteindruck des Textes nicht zu locker wirken – und das verkrampft manchmal ein wenig.

Das kumpelhafte „Du“

Duzen oder Siezen?Mittlerweile bin ich auf das „Du“ umgestiegen.

Aus folgenden Gründen finde ich das Duzen auf meinem Blog und in meinen Mails besser:

Vorteile des Duzens:

  • „Du“ ist einfach kumpelhafter, wirkt „näher“. Es schafft Vertrauen und man hat einfach das Gefühl sich schon länger zu kennen (was bei einigen Stammlesern ja quasi auch der Fall ist).
  • Durch das Duzen in den eigenen Text wird auch das Schreiben selbst unverkrampfter – zumindest ich persönlich schreibe „leichter von der Hand“, wenn ich mit „Du“ schreibe, als wenn ich mit „Sie“ schreibe. Denn auch beim Schreiben habe ich viel mehr das Gefühl wirklich einem guten Freund etwas zu schreiben, eben dir 😉
  • Gerade in Zeiten der sozialen Netzwerke und der „Freundschaften“ auf diesen Portalen, erscheint das „Du“ einfach zeitgemäß – meine Freunde duze ich schließlich…

Nachteile des Duzens:

  • Einige (besonders aus der älteren Generation) könnten sich am „Du“ stoßen, da sie es gewohnt sind gesiezt zu werden.
  • Das „Du“ mag zu einem insgesamt zu lockeren Ton verleiten, wodurch der Leser eventuell schneller das Gefühl bekommt, nicht so richtig respektiert und allzu vertraut behandelt zu werden – obwohl er doch eventuell zum ersten Mal auf dem Blog ist oder zum ersten Mal eine deiner E-Mails liest und dich noch gar nicht weiter kennt! So könnte das „Du“ manchmal auch irgendwie regelrecht unhöflich rüberkommen.

Wie solltest du dich entscheiden?

Eine schwierige Frage. Ich habe mich jetzt aus den oben angesprochenen Gründen für das Duzen entschieden.

Aber jeder muss selbst für seinen speziellen Blog oder seine speziellen E-Mails abwägen, was besser ist.

Für mich scheint das Duzen allein schon durch die Ausrichtung dieses Blogs als angebracht:
Ich dokumentiere meine Schritte hin zu einem eigenen Webbusiness. Ich will dir hier im Blog nichts verkaufen, ich will mit dir kein Geschäft machen, ich will bloß dokumentieren und dir Tipps geben.

Da brauche ich kein förmliches „Sie“, finde ich.

Das Siezen wird ja oft auch Respektspersonen gegenüber bevorzugt. Der Chef einer Firma wird von seinen Angestellten in der Regel gesiezt. Das wahrt eben den Respekt und macht jedem sofort klar, wer hier der höher gestellte in der Rangordnung der Firma ist. Das wird zumeist noch dadurch verstärkt, dass sich die Kollegen untereinander (die sich also auf der gleichen Ebene begegnen), duzen.

Ich stehe hier aber nicht über dir. Ich will hier nicht oberlehrerhaft rüberkommen, sondern dir zeigen, dass ich ganz alltägliche Probleme beim Aufbau meines Webbusiness‘ habe – so wie du wahrscheinlich auch.

Ein „Sie“ ist hier nicht nötig.

Wenn du aber einen Blog führst, der geschäftlich ausgerichtet ist und über den du z.B. neue Kunden für dein Geschäft finden möchtest, dann wäre wohl das Siezen angebrachter.

Auch hier gibt es mittlerweile prominente Ausnahmen. IKEA z.B. schreibt den Mitarbeitern regelrecht vor, dass sie sich untereinander und auch die Kunden zu duzen haben. Das fängt bei denen also in der Werbung an („Wohnst du noch oder lebst du schon?“) und setzt sich bis ins Ladengeschäft weiter fort.

Ob das für dich erstrebenswert ist – entscheide selbst gemäß deiner eigenen Unternehmensphilosophie. IKEA fährt ja immerhin ganz offensichtlich gut damit; ihrem Geschäft scheint das Duzen keineswegs abträglich zu sein.

Dennoch ist es in Deutschland immer noch komisch und wird befremdlich aufgefasst, wenn der junge IKEA-Mitarbeiter einem Mann über 50 sagt „Den Tisch kannst du dir unten im Lager abholen“…

Wie soll dein Webauftritt also wirken und rüberkommen?

Gordon Kuckluck

Initiator von GeldSchritte.de, Online-Marketer mit Leib und Seele, vor allem den Bereichen Landingpages, Conversionoptimierung und E-Mail-Marketing verschrieben, stets an der Schnittstelle von Offline- zu Online-Business.
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Gordon Kuckluck

Initiator von GeldSchritte.de, Online-Marketer mit Leib und Seele, vor allem den Bereichen Landingpages, Conversionoptimierung und E-Mail-Marketing verschrieben, stets an der Schnittstelle von Offline- zu Online-Business.

21 Comments

  • Stefahn

    15. Juni 2011

    Hallo Gordon,
    super Artikel!
    Ich habe mich bei meinen Webprojekten von Anfang an auf das „Du“ festgelegt und fahre damit sehr gut (habe noch keine Beschwerde bekommen :).
    Mit dem „Du“ kann man die Besucher meiner Meinung nach einfach viel konkreter ansprechen.
    Viele Grüße,
    Stefahn (Geld-Verdienen-Wiki)

  • Sebastian

    15. Juni 2011

    Sehr gutes Thema!

    Hab mir auch lange die Frage gestellt, ob Du oder Sie die richtige Anrede ist. Hab mich jetzt auch für Du entschieden. Für mich jetzt sich das einfach natürlicher und persönlicher an.

    Ich denke auch, das Menschen, die sich beim Du auf den Schlipps getreten fühlen, nicht meine Zielgruppe sind.

    Lieben Gruß, Sebastian Czopp

  • Wenn man in Tirol (Österreich)im Zillertal tanken will, ins Restaurant geht oder Einheimische was fragt duzen Dich alle automatisch.

    Was anfangs oft befremdlich wirkt, gerade auf Ältere, macht das Völkchen gleich daraufhin viel sympathischer 🙂

    Hier ist das Du also eine „vertrauensbildende Marketing-Maßnahme“. Aber ich fühle mich auch wirklich viel besser, wenn ich in Newslettern und Blog-Kommentaren per Du schreibe.

    Im Artikel selbst, im Video, oder bei Präsentationen bleibe ich aber lieber erstmal bei dem Sie, denn ich will die volle Aufmerksamkeit der Leute, also bezogen auf die Leute, die zum erstenmal was von mir sehen oder lesen. Die sollen nicht grübeln über das Du…

    Sobald derjenige mir E-Mail schreibt, kommentiert, sich in die E-Mailliste einträgt… dann sind wir per Du! 😉

    • Gordon Kuckluck

      15. Juni 2011

      Auch ne Methode 😉

      Wobei das auch befremdlich wirken könnte, dieser Wechsel von „Sie“ im Artikel z.B. zu „Du“ in den Kommentaren.

      Oder?

      • Kann schon sein, aber das ist halt so gewachsen, das habe ich nicht vorprogrammiert…

        Jeder sollte das aus dem Bauch heraus entscheiden. Heute gelten meiner Meinung keine starren Knigge-Regeln mehr…

        Was den Erfolg und die Conversions angeht,… weiß nicht… Irgendwer wird da schon Splittests machen…

        Aber ich bleibe bei meinem Style!

        🙂 der ivan.

        • Gordon Kuckluck

          15. Juni 2011

          Stimmt, Du hast Recht, ich finde auch, dass jeder „aus dem Bauch heraus“ machen sollte, was ihm liegt – dann muss man sich nicht verstellen 🙂

          Du machst das schon gut, so wie Du das machst 😉 😀

  • Daniel Simeoni

    15. Juni 2011

    Hallo Gordon,

    genau dieses Thema hat mich auch immer wieder beschäftigt. Hatte ja hierzu vor kurzem auch eine Umfrage gestartet.
    Ich habe allerdings direkt mit Du angefangen auf meinem Blog und habe bislang auch die Erfahrung gemacht, dass es sich so doch deutlich einfacher fährt.
    Wie Du schon schreibst, ist die Distanz genommen und man stellt sich quasi direkt auf eine Ebene mit seinem Gegenüber.

    Finde ich persönlich auch sympatischer, wenn ich direkt mit „Du“ angesprochen werde.

    Ich bleibe also auch beim „Du“, abgesehen davon hätte ich auch echt keine Lust meinen Blog auf „Sie“ umzuschreiben 🙂

    Beste Grüße
    Daniel

  • Gordon Kuckluck

    15. Juni 2011

    Eure Kommentare zeigen, dass ich dann wohl die richtige Entscheidung getroffen habe 😉

  • Stefka

    15. Juni 2011

    Hatte meine Meinung dazu schon letztens bei Daniel geäußert. Ich persönlich finde das DU für einen Blog auch wesentlich angenehmer und näher. Wie Ivan aber auch schon sagt, kommt es auch drauf an, wen man ansprechen will und welches Produkt man anbietet. Und wenn man dann irgendwann vom Sie zum Du wechselt ist das ja auch wieder eine Stufe näher in Sachen Vertrautheit. Aber hier auf deinem Blog find ich es so besser.

    Gruß aus Berlin, Stefka

  • Gudrun Malkuss

    15. Juni 2011

    Hallo Gordon,

    wenn der Ton, in dem Fall der Schreibstil, stimmt finde ich das Du absolut angebracht. Gute Wahl getroffen:-)Immer weiter so.

    Beim „Texten“ fühle ich mich auch „lockerer“ und „flüssiger“ mit dem Du. Egal, ob es ein geschriebener Beitrag ist, oder z.B. eine „gesprochene“ Meditation vor einer großen Gruppe, völlig fremder Menschen.

    Respekt? Den kann man durchaus zwischen den Zeilen lesen.

    Las´ schon Beiträge in „Sie-Form“, die nur so vor Respektlosigkeit gestrotzt haben.

    Wie der Artikel rüberkommt, hängt meiner Meinung nach sehr stark vom Schreibenden ab.

    Ist der Autor aufrichtig, hat er Respekt vor seinem Gegenüber und (ganz wichtig)! zuerst vor sich selbst…..kann nichts mehr schräg ankommen.

    Liebe Grüße:-))

    Gudrun

  • Gudrun Malkuss

    15. Juni 2011

    Hallo Gordon,

    recht herzlichen Dank für Deine guten Tips und die Erlaubnis einen Test machen zu dürfen.

    Liebe Grüße

    Gudrun

  • Frank

    19. Juni 2011

    …nun ja, es ist wohl ein typisch deutsches Problem. Ich finde es schon immer befremdlich, das man sich (im Internet) darüber Gedanken machen muss, wie man sich anredet und habe mich schon relativ frühzeitig auf das Du festgelegt… ohne Ansehen von Person, Alter, Geschlecht. Im Englischen kennt man das Problem ja gar nicht und trotzdem ist man da nicht unhöflich miteinander.

  • Florian

    22. Juni 2011

    Die ganze Welt ist ein Kumpel, deswegen sollte man auch Du zu ihr sagen 🙂

  • Christian

    23. Juni 2011

    Auf jeden Fall Du, ich hab doch keinen Stock im Hintern. Jemand, der unbedingt gesiezt werden möchte, kann das gerne selbst vor dem Spiegel machen. Ich sieze nur aus reiner Höflichkeit, ansonsten finde ich es als ein Relikt aus vergangenen Zeiten.

  • Sascha

    23. Juni 2011

    Die gleiche Frage habe ich mir letzten Monat für meinen Blog auch gestellt, wenngleich mein Artikel dazu nicht so ausführlich war. – Fazit: „Du“ wirkt vertrauter und persönlicher…

  • Gudrun Malkuss

    23. Juni 2011

    Hallo zusammen,

    hoffe ich handle mir keine Ärger ein, wenn ich Dir Gordon und deinen Lesern diese Adresse weiterleite:

    Zur hoffentlich! bereichernden Unterhaltung:)) ;)…für alle, die sich die Frage nach dem „DUSIEODERWAS“ stellen. 🙂

    Mich hat „Sie“ jedenfalls dazu gebracht keine „Freundschaftsanfrage“ zu stellen, oder überhaupt Kontakt aufzunehmen.

    Liebe Grüße
    Gudrun

  • weissemagie.biz

    27. Juni 2011

    Ich schwanke noch zwischen du und Sie – häufig versuche ich die Nutzung beider zu umgehen, um mich nicht entscheiden zu müssen.

    In diesem Artikel ist mir als Argument die Aussage „Ich will dir hier im Blog nichts verkaufen“ ins Auge gesprungen. (Wobei die Affiliate-Links ja bekanntlich gerne der eigentliche Zweck eines Blogs sind – und somit ja irgendwo doch das Verkaufen das Thema ist.)
    Aber verdient ein Mensch, dem nichts [direkt] verkauft werden soll, wirklich weniger Respekt (du) als ein potentieller Kunde (Sie)? Oder wird durch di kumpelhafte Umgangsform einfach auf die psychologische Komponente gebaut (du = Freundschaft = Vertrauen) und somit der Affiliate-Link attraktiver?

    Gruß aus Bangkok,
    Lars

    • Gordon Kuckluck

      27. Juni 2011

      Hallo Lars,

      mit dieser Aussage meinte ich, dass ich mich in diesem Blog speziell nicht auf einer geschäftlichen Basis im Kontakt mit meinen Lesern befinde. Auf geschäftlicher Basis ist das „Sie“ einfach normal. Ich berichte hier aber persönlich über meine Erfahrungen und was ich so treibe. Das ist eher ein „lockeres“ Informieren und dazu passt das „Du“ besser – Affiliatelinks hin oder her 😉

      Liebe Grüße
      Gordon