Steuerberater? Buchhalter? Oder doch alles alleine?

Zum 01.11.2010 habe ich mich selbstständig gemacht. Da sind natürlich viele Papiere zu bewältigen, besonders, wenn man aus Hartz IV heraus startet. Und da tauchen dann plötzlich auch Themen auf, mit denen man vorher gar nicht so wirklich gerechnet hatte…

So stellt sich z.B. die Frage nach der Buchhaltung:
Wer soll sie übernehmen?
Soll ich (erstmal) alles alleine machen?
Sollte ich mir einen Steuerberater suchen?
Oder einen Buchhalter?

Ja… wo ist denn eigentlich der Unterschied zwischen den beiden…?

Ich will versuchen meinen derzeitigen Wissensstand wiederzugeben. Ich übernehme aber keine Gewähr für meine Aussagen hier – dazu ist dieser Themenbereich für mich immer noch zu neu und kompliziert! Bitte seien Sie also kritisch, hinterfragen Sie und informieren Sie sich auch noch an anderen Stellen!

Ich mache alles alleine!

Stärke

Image: Ambro / FreeDigitalPhotos.net

Vielleicht ist Ihr erster Gedanke ja auch: „Ich mache das alles alleine! Schließlich muss ich ja wissen, wie so etwas geht!“

Im Grunde halte ich diesen Gedanken für sehr vernünftig und teile ihn sogar. Ich denke, es ist für einen Existenzgründer sehr wichtig zu verstehen, wie die gesamte Buchhaltung funktioniert. Nur so kann man wissen, wovon man spricht. Und nur so ist man letztlich auch glaubhaft, wenn man vielleicht tatsächlich einmal die Buchhaltung an externe Dienstleister abgibt und seinen Senf zu deren Resultaten abgibt.

Allerdings haben viele auch regelrecht Angst vor der Buchhaltung.

Ich auch ein Stück weit.

Irgendwie klingt das bereits so kompliziert… da wäre Hilfe doch vielleicht auch gerade für den Anfang sehr wichtig, oder?

Nachher macht man noch irgendetwas falsch und kann dann ordentlich blechen… oder gilt sogar als Steuerhinterzieher…

Naja, der Fantasie sind da ja keine Grenzen gesetzt 😉

Steuerberater?

Also lieber einen Steuerberater suchen.

Der kann den Papierkram ja für einen erledigen.

Kostet allerdings Geld.
Viel Geld.

Auch wenn die Mitarbeiterin beim Arbeitsamt mir weismachen wollte, dass ich mit ca. 50€ im Monat dabei bin, weiß ich aus sicherer Quelle, dass das für einen Steuerberater viel zu wenig ist. Eher mit so ungefähr 150€ im Monat ist man da dabei, wobei es jedoch u.a. auch vom eigenen Verdienst abhängt, wie viel genau der Steuerberater erhält.

Der Steuerberater kann also die Buchhaltung übernehmen und sich darum auch jeden Monat kümmern. Zusätzlich kann er wertvolle Tipps und Ratschläge erteilen, wie man steuerlich am günstigsten fährt. Das kann so betrachtet also sogar noch Geld sparen.

Buchhalter?

Sich an einen Buchhalter zu wenden, ist eine weitere Option, die man hat.

Ein Buchhalter kann genau so gut die routinemäßige Buchführung übernehmen. Dabei ist er in der Regel günstiger als ein Steuerberater, allein schon, weil ein Buchhalter nur eine „einfache“ kaufmännische Ausbildung braucht um sich „Buchhalter“ nennen zu dürfen (in Deutschland). Je nach Verdienst sind die oben erwähnten 50€ im Monat hierbei schon realistischer.

Auch Buchhalter sind dabei natürlich steuerlich nicht völlig unterbelichtet und können wertvolle Ratschläge geben. Doch während man dies von einem Steuerberater regelrecht erwartet, ist das beim „einfachen“ Buchhalter nicht unbedingt der Fall.

Aber wo genau ist denn eigentlich der Unterschied zwischen einem Steuerberater und einem Buchhalter?!

Der Steuerberater darf die Jahresabschlussrechnung machen, der Buchhalter nicht.
Wenn der Buchhalter das macht, dann muss der Jahresabschluss von speziellen (internen oder externen) Revisoren geprüft werden. Das können u.a. dann wieder Steuerberater z.B. sein.

Allerdings darf der Buchhalter einem zeigen, wie das geht und man macht’s dann allein 😉 😛

Außerdem habe ich irgendwo gelesen, dass ein Steuerberater selbst haftet, wenn er einen Fehler machen sollte in der Buchhaltung. Beim Buchhalter haftet hingegen der Unternehmer.
Ob das wirklich so stimmt, weiß ich zwar nicht mit Sicherheit. Aber ich weiß, dass für gewöhnlich jeder Buchhalter versichert ist gegen solche Fehler, so dass am Ende der Unternehmer nicht darunter „leiden“ muss.

Im Grunde beschränkt sich also der einzige für einen Unternehmer relevante Unterschied zwischen Steuerberater und Unternehmer darauf, dass ersterer den Jahresabschluss machen darf und letzterer nicht, zumindest nicht allein.

Einige große Unternehmen haben es übrigens daher so geregelt, dass die routinemäßige Buchhaltung ein Buchhalter übernimmt, den Jahresabschluss dann aber ein Steuerberater. Das ist insgesamt günstiger für das Unternehmen und bringt den nützlichen Nebeneffekt mit, dass die beiden sich sogar noch gegenseitig kontrollieren 😉

Fazit

Die Bürokratie hinter einem (eigenen) Unternehmen ist schon eine kleine Wissenschaft für sich. Da muss man sich erst einmal als „Nicht-Kaufmann“ hineindenken. Da spielen Unsicherheiten und Angst mit, aber eben schlichtweg auch viel Nicht-Wissen. Es ist teils mühsam sich in dem Nirvana aus Fachbegriffen und rechtlichen Verwickelungen zurechtzufinden.

Daher kann ich wirklich jeden gut verstehen, der seine Buchführung an eine externe Person auslagert 😉

Ein Buchhalter ist dabei die günstigere Wahl, wobei man aber dann auf der Jahresabschlussrechnung sitzen bleibt.

Noch kostensparender (gerade für Existenzgründer, wo das ja meist sehr wichtig ist), ist natürlich alles selbst zu machen. Das bringt den Vorteil mit sich, dass man sein eigenes Unternehmen und seine eigene Buchhaltung nicht nur kennenlernt, sondern selbst aufstellt und bestimmt. Damit gibt man eventuellen künftigen Beratern gewissermaßen eine Richtung vor und ist auch später jederzeit viel eher im Bilde!

Ich selbst wage mich erstmal (unter Anleitung eines sehr freundlichen Buchhalters) allein an die Buchführung heran.

Bin gespannt, wie ich klarkomme 😀

Viel „Spaß“ bei Ihrem Papierkram
Ihr Gordon Kuckluck

Gordon Kuckluck

Initiator von GeldSchritte.de, Online-Marketer mit Leib und Seele, vor allem den Bereichen Landingpages, Conversionoptimierung und E-Mail-Marketing verschrieben, stets an der Schnittstelle von Offline- zu Online-Business.
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Gordon Kuckluck

Initiator von GeldSchritte.de, Online-Marketer mit Leib und Seele, vor allem den Bereichen Landingpages, Conversionoptimierung und E-Mail-Marketing verschrieben, stets an der Schnittstelle von Offline- zu Online-Business.

16 Comments

  • Bernd

    21. November 2010

    Hallo Gordon,
    Geld verdienen ohne den Staat geht nicht! Aber zu viel Angst braucht man auch nicht davor zu haben.
    Du musst ja nicht gleich eine Bilanz erstellen, das HGB (Handeslgesetzbuch) und das BGB (Bürgerliches Gesetzbuch) auswendig im Kopf haben.
    Die meisten Existenzgründer müssen eigentlich erst mal eine Einnahmen Übersicht Rechnug machen. Da gibt es ein paar Fallstricke, die Geld kosten.
    So ist jeder Steuerberater froh, wenn Du ihm die Ordnung abnimmst. D.h. Belege sortieren! Wenn Du das dem Buchhalter oder Steuerberater überlässt, dann wird’s teuer.
    Zunächst sortiert man seine Belege nach Bankauszügen und Kassenausgaben. Ob man diese nun mit einem Programm bucht? Kann man tun, hilft Geld zu sparen.
    Und ein paar Buchungssätze lernen und die Buchungen in eines der vielen Programme zu tippen ist weis Gott nicht soo schwer, außerdem meist in der Hilfe der Programme genau erklärt!
    Ich halte es seit Jahren so, dass ich einmal im Monat meine Buchungen mache, am 10. des Monats meine Umsatzsteuervorauszahlung abgebe und am Ende des Jahres bekommt mein Steuerberater den ganzen Krempel, der frägt dann schon nach, was er noch benötigt.
    Man sollte aber, wenn man das über ein Programm macht dem Steuerberater fragen, ob er mit den Daten dann auch umgehen kann. Als Programme kommt z.B. in Frage http://www.easy2000.net
    Gruß
    Bernd

    • Gordon Kuckluck

      21. November 2010

      Danke für Deinen Kommentar!
      Jap, stimmt das Vorsortieren hatte ich noch vergessen zu erwähnen.
      Und ja, es stimmt, zuuu viel Angst braucht man sicher nicht haben 😉

  • Cujo

    22. November 2010

    Hallo Gordon,

    ich kann dir auch nur den Weg empfehlen, den du selbst schon genannt hast. Während des Jahres alles von einem Buchhalter bzw. Bilanzbuchhalter (das ist eine Weiterbildung) machen lassen und dann am Jahresende alles vom Steuerberater prüfen lassen.

    Selber machen würde ich nicht empfehlen. Du kannst sehr viel falsch machen, was dich dann mehr Geld kostet als wenn du jemand beauftragt hättest, der Ahnung davon hat. Außerdem ist ein Meinungsaustausch mit dem Buchhalter auch immer gut. Der kann dir noch Tipps geben, wo du etwas sparen kannst oder was du noch besser machen kannst. Das sind Dinge, auf die du alleine oftmals nicht kommst. Konzentriere dich lieber auf dein Geschäft und lasse die Buchhaltung von Profis erledigen. Dann haben beide etwas davon 🙂

    • Gordon Kuckluck

      23. November 2010

      Hallo Cujo,
      vielen Dank für Deinen Kommentar!

      Eigentlich hatte ich auch erst einmal so gedacht. Dennoch werde ich es zunächst (wie lange weiß ich aber noch nicht) allein unter Anleitung probieren, damit ich es auch einigermaßen verstehen kann 😉
      Auf Dauer werde ich das aber sicherlich abgeben an Profis!

      Liebe Grüße
      Gordon

  • Uwe Landgraf

    23. November 2010

    Hallo Gordon,

    ich würde mich bei der örtlichen IHK erkundigen, ob sie z.B. Wochenendlehrgänge in Buchführung anbieten, des Weiteren würde ich mit eine gute Buchführungssoftware zulegen und für die Steuern, die Unterlagen einem Steuerberater Deiner Wahl geben.
    Ich bin Geschäftsführer eines Vereins und wir zahlen für den Jahresabschluss einmalig einen Betrag an den Steuerberater.

    lg Uwe

    • Gordon Kuckluck

      23. November 2010

      Hallo Uwe,

      und wie hoch ist dieser einmalige Betrag dann? Musst ja keine konkreten Zahlen nennen, aber vielleicht so von der Größenordnung?

      Viele Grüße
      Gordon

  • Uwe Landgraf

    23. November 2010

    So im Bereich bis 500,00 €. Kann natürlich sein, dass er uns einen Sondertarif macht.
    Sollte doch bei einem Steuerberater zu erfragen sein. Event. kann Dir da auch die IHK helfen.

    lg Uwe

  • Michael Schulze

    3. Dezember 2010

    Grundsätzlich kann jeder selbst entscheiden ob er am Jahresende selbst den entsprechenden Button seines Programmes betätigt oder dafür einen Steuerberater sponsort.
    Im Klartext: ich bin nicht verpflichtet den Jahresabschluss von einem Steuerberater machen zu lassen. Sicher bedarf es dazu einiger Kenntisse, die kann man sich aber aneignen.
    Ich erstelle meine Jahresabschlüsse (Bilanz) mit LEXWARE selber, werden von FA voll anerkannt.

    • Gordon Kuckluck

      3. Dezember 2010

      Jap, völlig klar: Selber machen geht immer. Nur wenn man einen Buchhalter hat, dann muss einem klar sein, dass der das nicht machen darf.

  • Falko Müller

    11. Dezember 2010

    Hallo, ich bin zufällig auf diese Seite gekommen und fand die Meinungen sehr interessant, denn jeder Kommentar hatte was, dass ich auch unterschreiben kann.

    Bin selber seit 6 Jahren als Webdesigner und Programmierer selbstständig und habe auch anfangs versucht, aus Kostengründen vieles selbst zu machen. Das Problem: Man wurstelt sich durch die Buchhaltung, den Jahresabschluss und die Steuererklärungen und verballert viel Zeit und Nerven im Glauben, alles gut und optimal gemacht zu haben und man denkt, dass man obendrein viel Geld für den Steuerberater gespart hat. Leider völlig falsch gedacht!! Habe meinen ganzen Krempel dann irgendwann mal zum Steuerberater gebracht und prüfen lassen. Fazit: Jedes Jahr viel zuviel Steuern gezahlt, weil man die ganzen Profitricks und Tipps des Steuerberaters nicht kannte(Investitionsabzugsbeträge, Kostenpauschalen, Tipps zur Vermeidung der Gewerbesteuer, Abzug von Zahlungen an Angehörige etc. etc.) Insgesamt hätte ich mir von den zuviel gezahlten Steuern einen neuen Firmenwagen kaufen können. Jetzt liegt die Kohle beim Finanzamt, für immer dahin. Hätte mir jemand zu Beginn meiner Selbstständigkeit gesagt, investiere deine Zeit lieber in deine Aufträge anstatt in Buchhaltung und den Steuerkram, weil es unterm Strich weniger Stress bei mehr Gewinn bringt, ich hätte es nicht geglaubt, weil Buchhaltung für mich nichts Unbekanntes war. Jetzt lasse ich in Abstimmung mit meinem Steuerberater meine Buchhaltung bei Buchhaltungs-Flatrate.de buchen. Zusammen mit meinem Steuerberater habe ich so eine korrekte Buchhaltung zum Discountpreis und bekomme von meinem Steuerberater regelmäßig professionelle Hilfe, wie ich Steuern sparen kann. Für Buchhaltung und Steuerberater zahle ich pro Monat zusammen 50 Euro, habe zwei kompetente Ratgeber, habe mehr Umsatz und Gewinn, und unterm Strich bringt es für mich mehr als es kostet.

    • Gordon Kuckluck

      11. Dezember 2010

      Hallo Falko,

      vielen Dank für Deinen Kommentar und den sehr interessanten Hinweis zu Buchhaltungs-Flatrate.de. Das kannte ich noch gar nicht und das schaue ich mir mal genauer an.

      Ich bin auch noch am Überlegen, was ich machen soll… bin immer noch etwas unsicher momentan 😉

      Liebe Grüße
      Gordon

  • Melchior Blaise

    5. Mai 2011

    Hallo!
    Nachdem ich diesen Artikel und die Reaktionen gelesen habe, juckt es mir richtig in den Fingern. Ich überlege schon seit einigen Wochen, ob ich mich mit einigen Bekannten und Kollegen hinsetzen soll, um einen ausführlichen Videoratgeber über Buchhaltung und Steuern auszuarbeiten.
    In dem soll wirklich von Grund auf alles Wichtige erklärt werden. Es soll nicht darum gehen, danach alles perfekt zu können. Das geht auch gar nicht, weil das Themengebiet unheimlich komplex und schwierig ist (ein Steuerberater verdient nicht ohne Grund so viel).
    Es geht viel eher darum die Grundlagen zu vermitteln, damit jeder Existenzgründer und Unternehmer seine Buchhaltung alleine durchführen kann. Im Rahmen eines Blogs kann dann über Gesetzesänderungen usw. aufgeklärt werden.
    Diese Idee schwirrt mir einfach schon länger im Kopf herum und ich musste sie einfach mal loswerden und ich hoffe auf Feedback. Was haltet ihr von der Idee? Hat die Potential?
    Achja.. ein Wort noch zu meinem „Team“ mit dem ich das machen würde. In erster Linie setzt es sich aus BWL- und VWL-Studenten, sowie Steuerfachangestellten zusammen. Für wirklich kniffliche Fragen haben wir auch die Möglichkeit Steuerberater zu Rate zu ziehen. Die Mannschaft ist also bestens geeignet und wirklich vom Fach.
    Jetzt stellt sich nur die Frage, ob sich so ein Projekt lohnt und ob die Nachfrage auch wirklich da ist.
    Ich bitte also um Feedback. Ich würde mich unglaublich darüber freuen. Gerne auch über mein Blog:

    Mit herzlichen Grüßen,
    Melchior Blaise

    • Gordon Kuckluck

      6. Mai 2011

      Hi Melchior,

      tja, keine Ahnung, ob das wirklich Potential hat.

      Wenn ich von mir ausgehe, dann nicht. Denn ich persönlich habe einfach gar keine Lust mich in diese ganze Thematik auch noch reinzuarbeiten. Als Neuselbstständiger habe ich genug andere sorgen, da möchte ich wenigstens die Buchhaltung abgeben und mich auf mein Kerngeschäft konzentrieren können.

      Ich könnte mir vorstellen, dass das anderen auch so geht.

      Sicher ist die Buchhaltung ein Kostenfaktor. Aber dafür habe ich lieber den Kopf frei und habe gleich alles professionell erledigt.

      Viele Grüße
      Gordon

  • Melchior Blaise

    6. Mai 2011

    Danke für die AntwortGordon.
    Das ist ja auch das Problem, das ich damit habe. Ich kann mir vorstellen, dass viele froh sind, wenn sie den ganzen Papierkram abgeben können und wissen, dass er sich in guten Händen befindet. Sich in so ein Thema reinzuarbeiten nimmt einfach Zeit in Anspruch.
    Auf der anderen Seite habe ich auch schon von einigen gehört, die total begeister von der Idee sind, weil man dann die Kosten, die nicht gerade klein sind, einsparen kann. Und selbst wenn man die Buchhaltung immer noch machen lässt. Man versteht sie dann wenigstens.
    Ich bin noch skeptisch und warte Feedback ab, bevor ich aktiv werde.

    Viele Grüße,
    Melchior